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In der Rubrik "Comingout" gibt es noch zahlreiche weitere interessante Artikel.

Fabian (17) erzählt:

Irrungen und Wirrungen

Fabian braucht einige Zeit, bis er weiß, wo er hingehört

Meine Geschichte ist sicher etwas außergewöhnlicher als die meisten Coming-outs. Ich habe ziemlich früh gemerkt, dass ich Jungs in meinem Alter attraktiv finde. Um ehrlich zu sein schon in der Grundschule. Doch damals war mir noch nicht bewusst, was das bedeutet, da ich noch nicht viel über Homosexualität wusste, eigentlich so ziemlich nichts. Als ich dann aber schon etwas älter war (13 Jahre) und mich konfirmieren ließ, traf ich in der Konfirmationsgruppe wieder alte Bekannte aus meiner Grundschulzeit.

Als die Sommerferien anstanden, unternahm ich jeden Tag etwas mit meinen alten Freunden und lernte auch neue Leute kennen. Ich merkte, wie ich einen der Neuen immer attraktiver fand. Irgendwann fragte ich mich auch, ob ich vielleicht doch schwul oder bisexuell sein könnte. Noch in den gennanten Sommerferien kam es dazu, dass ich wieder einmal bei einem der alten Freunde übernachtet habe. Dabei kam es dann wie aus heiterem Himmel zu meinem "ersten Mal". Wir haben uns gegenseitig einen geblasen und anderweitige Dinge mit uns angestellt.

Als ich am nächsten Morgen gegangen und wieder zuhause war, habe ich mich im Internet schlau gemacht über andere Schwule und mich bei Seiten wie dbna angemeldet. Doch ich habe schnell gemerkt, dass die Kontaktaufnahme nicht leicht war. Entweder stieß ich immer nur auf sexgeile Typen über 20, auf Leute, die nur Nacktbilder wollten, oder die Entfernung hat einfach nicht gestimmt. Vor etwa einem halben Jahr habe ich in einer Schülerkommunity einen aus meiner Umgebung gefunden, der mir sagte, er sei schwul und wolle wissen, ob ich auch schwul oder wenigstens bi sei. Da ich mir dann doch schon seit einiger Zeit sicher war, dass ich bi bin, da ich auch schon mehrere Freundinnen hatte, sagte ich ihm offen die Wahrheit. Wir redeten über "schwule" Dinge und tauschten uns aus. Da er zwei Jahre jünger war als ich, war mir klar, dass ich nichts mit ihm anfangen möchte, so nett wie er auch ist.

Eines Abends meinte er, ein Freund von ihm möchte meine ICQ-Nummer und ich willigte ein. Es stellte sich heraus, dass dieser Freund 18 war und schwul. Nach 2 wochen haben wir uns mit einer gemeinsamen Freundin getroffen. Dabei war auch noch eine andere Freundin, mit der ich schon 6 Monate lang Chat-Kontakt hatte. Wir hatten uns ziemlich ineinander verliebt - dachte ich zumindest. Als ich dann eines Nachts an meinem Laptop saß, gestand ich ihr meine Liebe. Und sie erwiderte sie. Doch das war wohl mein bisher dümmster Fehler.

Allerdings traf ich mich jedes Wochenende mit dem 18jährigen und wir landeten immer im Bett. Meine Freundin wusste, dass ich bi bin und dass er schwul ist und hatte Angst, dass etwas zwischen uns laufen könnte. Berechtigterweise. Ich gestand es ihr dann doch und sie nahm es relativ gut auf. Sie sagte, sie liebe mich so sehr, dass sie mir nichts übel nehmen könne. Doch ich merkte irgendwann, dass ich mehr für den Jungen empfand als für meine Freundin. Und daraufhin nahm ich all meinen Mut zusammen und teilte ihr das mit. Sie hat mich gehasst dafür. Aber ich war mehr als glücklich mit meinem "neuen" Freund.

Ich habe es einigen Freundinnen schon längere Zeit vor diesem Vorfall erzählt, dass ich bi bin. Sie nahmen es alle gut auf. Als ich dann mehr und mehr mit meinem Freund unternahm, erfuhren es auch immer mehr der anderen Bekannten aus meinem Umkreis. Manche lachten darüber, manche fanden es "süß" oder interessierten sich auch gar nicht dafür. Auf jeden Fall bin ich froh, dass es so viele wissen, auch wenn es immernoch dumme Typen mit ihren sinnlosen sprüchen gibt, die sie uns hinterher gröhlen. Aber wenigstens hab ich einen Freund, den ich über alles liebe.

Und was meine Eltern angeht: meine Mutter vermutet etwas und mein Vater sagt wie zu allem NICHTS. Also lebe ich im Moment ziemlich glücklich. Trotzdem sei eines gesagt, ein Outing kann grundlegend schief gehen, trotzdem sollte man es wagen, wenn man nicht länger verstecken spielen will und endlich "frei" sein Leben leben möchte.


Quelle:
Bildmaterial: © Alexey Klementiev - Fotolia.com
Die hier dargestellten Fotos zeigen nicht den Einsender der Geschichte.

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