Das andere Gesicht
Das Coming-out eines Siebzehnjährigen, dessen Leben bisher in ruhigen Bahnen verlief
Sommerzeit, Ferienzeit, Urlaubszeit – für Schüler kehrt das alle Jahre wieder. Man fährt mit den Eltern zusammen Richtung Küste, um dort zusammen mal den Alltag Alltag seien zu lassen. Als Jugendlicher geht man dann auch mal auf eine Party und gegen einen netten Flirt ist ja nichts einzuwenden, auch wenn daheim der Freund oder die Freundin wartet.
So macht es auch Elias, dessen Eltern ihn für zwei Wochen mit nach Holland in ein Ferienhaus geschleppt haben. Seine Freundin Rebecca muss er zurücklassen. Auf einer Party lernt er dann Charlotte, mit der er zu flirten versucht, kennen – und ihren Bruder René. Obwohl Elias eigentlich keine Lust auf René hat, beginnen die beiden zusammen Verschiedenes zu unternehmen. So beginnt Elias Sport zu treiben, hört auf zu rauchen und Stück für Stück kommen sich die beiden näher. Noch bevor es Elias selbst realisieren kann, hat er sich in seinen neuen Kumpel verknallt. Dass dies auf Einseitigkeit beruht, muss er nicht befürchten. Aber bevor er es sich wirklich selbst und auch René eingestehen kann, muss es erst zum Eklat kommen. Nachdem René seine Position klar dargelegt hat, kann Elias auch den entscheidenden Schritt wagen. Die beiden kommen zusammen.
Wie aber soll es weitergehen? So schön die Zeit der beiden ist, die auch minutiös geschildert wird, irgendwann neigt sich der Aufenthalt Elias' dem Ende. Aber für ihn ist nun alles anders und wie er damit umgehen soll, ist noch eine ganz andere Frage. Wie soll er seine Beziehung zu René Rebecca erklären? Wie wird der Rest seiner Clique reagieren und was soll erst seine Familie, die immer so besorgt über ihr Außenbild ist, sagen? Und wie soll eine Beziehung über diese Distanz von gut 400 Kilometern funktionieren? Elias steht vor einem Berg von Fragen, deren Beantwortung seinen ganzen Mut und seine ganz Kraft erfordern.
Michael Heistermann hat einen Coming-out-Roman geschrieben, der unter die Haut geht. Emotional tiefgründig und fassbar beschreibt er die inneren Konflikte des Protagonisten, der als Ich-Erzähler fungiert. Gut nachvollziehbar ist die Entwicklung der Charaktere, denen keine Oberflächlichkeit zuzuschreiben ist. Ganz im Gegenteil gewinnen die Figuren von Schritt zu Schritt mehr Farbe und Facetten, dreht es sich doch in keinem Punkt nur um das „Eine“. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Geschichte nicht nur glaubwürdig ist, sondern auch gut nachempfunden werden kann – eine rundum gelungene Geschichte, die jungen Schwulen nur ans Herz gelegt werden kann.


