Queeres Filmjahr 2008
Was uns in diesem Jahr filmisch noch erwartet
München, Frankfurt, Köln und Berlin – wer in den letzten Wochen in diesen Städten unterwegs war, der kam am Verzaubert-Festival nur schwer vorbei. Immerhin 60 Lang- und 35 Kurzfilme aus allen Sparten des schwul-lesbischen Kinos waren zu sehen - vom klassischen Coming-Out-Film über Mainstream-Movies bis hin zur Dokumentation. Da das Festival dieses Jahr erstmals im Frühling stattfand, waren darunter auch sehr viele der neuesten Filme, die zuvor höchstens auf den Filmfestspielen in Toronto und Berlin zu sehen waren. Hier eine kleine Vorausschau auf das queere Filmjahr 2008:Neue Tabubrüche: Wenn die Mutter mit dem Sohne
„Mutti zuliebe habe ich mich entschlossen, eine neue Person aus mir zu machen“, sagt der schwule Tony und beginnt eine Affäre mit einer Spanierin. Zu blöd nur, dass sie ihm bald von seinem Vater ausgespannt wird, der sich daraufhin von Tonys Mutter trennt. Für die beiden Verlassenen, Tony und seine Mutter, beginnt daraufhin die sehnsüchtige Suche nach Liebe und Anerkennung. Doch dabei kommen sie sich näher als es ihnen gut tut. Regisseur Tom Kalin zeichnet mit „Savage Grace – Wilde Unschuld“ das Bild eines schwulen jungen Mannes, der in seiner Sexualität, seiner Familie und seinem Stand gefangen ist. Sein Befreiungsschlag aus dieser Situation ist so selbstzerstörerisch wie sie selbst. Ab 8. Mai im Kino. Neuer Mainstream: Schwule Surfer statt schwule Cowboys
Es sind die Träume jedes Surfers: Sonne, Wind und hohe Wellen – und das direkt vor der eigenen Haustür. Zach liegt all das zu Füßen, wären da nicht seine unstete Schwester und ihr Sohn Cody. Um beide durchzubringen, opfert er sich auf. Aber dann tritt der Surfer Shaun in sein Leben und ein Kuss zwischen beiden bringt den Alltag von Zach als Ernährer und Ersatzvater mächtig ins Wanken. Er versucht Gefühle und Sexualität der Verantwortung für seine Familie unterzuordnen. Aber das hieße, die Verantwortung für sich selbst aufzugeben. Es gilt für Zach den Mittelweg zu finden. „Shelter“ ist ein sensibel erzählter Film zwischen der Ödnis am Stadtrand von San Pedro und dem aufregenden Leben am Strand nebenan. Die Bilder sind wunderbar verträumt und bezaubernd romantisch. Ein Film zum Mitfiebern und einfach nur für’s Herz!Neue Feindbilder: Homosexuelle im Iran
Im Iran steht Homosexualität unter Todesstrafe. Aber es gibt einen Ausweg: die legale Geschlechtsumwandlung. Für diese hat sich Anosh entschieden, der endlich mit seinem Freund Ali als Mann und Frau zusammenleben will. Doch auch wenn die Umwandlung ihm ein anständiges Lebensverhältnis beschert, ist mit ihr die totale Selbstaufgabe von Geschlecht, dem gesellschaftlichen Status als Mann und dem Beruf verbunden. Aber Anoshs Sehnsucht und die Liebe zu Ali sind stärker und so beginnt er diesen unumkehrbaren Schritt zu gehen. Dabei begegnet er Ärzten, Koranexperten, Leidensgenossen sowie einstigen Männern und gerät in den Konflikt mit seiner Familie und sich selbst. Doch am Ende wird er zur Frau Anahita. „Be like others“ ist eine ergreifende Dokumentation, die erbarmungslos dicht am Geschehen dran ist und den moralischen und gesellschaftlichen Druck auf Homosexuelle im Iran ungeschönt abbildet. Der Film wurde bereits mit dem Teddy Jury Award auf der Berlinale ausgezeichnet und ist mit Sicherheit einer der politischsten queeren Filme des Jahres.

