Lambda Sommercamp 2007
8 Tage freiwillig campen?
Das Jugendnetzwerk Lambda lud auch dieses Jahr wieder zum Internationalen Sommercamp im thüringischen Lützensömmern ein. In acht Tagen konnten hier Jugendliche, unabhängig von Geschlecht und Sexualität, einmal mehr neue Kontakte knüpfen. Täglich standen verschiedenste Workshops zur Auswahl. Ausflüge, ob morgendliches Joggen oder ein Tag in Erfurt, rundeten die Freizeit ab. Mit einem Freund im Gepäck freute ich mich auf eine spannende Woche.Nach einem feucht-fröhlichen Christopher Street Day in Stuttgart und einer langen kurvenreichen Fahrt erreichten wir das Camp am späten Abend des 4. August. Trotz einiger Regenschauer wurden die Zelte flugs aufgebaut und kurz nach Mitternacht konnten wir uns am Lagerfeuer der versammelten Menge vorstellen.
Keinen Platz für Schüchternheit bot auch der nächste Morgen. Der erste Sonntag ist klassischer Kennenlern-Tag, die Campteilnehmer und -innen wurden nach dem Zufallsprinzip in mehrere Kleingruppen aufgegliedert. Am Abend sollte dann jede der Mannschaften während der Eröffnungsgala ein imaginäres Land ganz nach ihren Wünschen präsentieren. Und tatsächlich, neben Flaggen und Hymnen dienten auch Theaterstücke oder Rapgesang als Lehrmittel, Sozialkonzepte der Zukunft zu erklären. Ein hartes Stück Arbeit, doch für eine gute Figur auf der Bühne und eine Party am Abend lohnt sich der Aufwand allemal.
Am Montag startete der gewohnte Workshop-Betrieb, das heißt: zwischen den Mahlzeiten kann jeder den Tag nach seinen Wünschen gestalten. Von Backen über einen Tanzkurs, einen Chor bis hin zum Bodypainting boten verschiedenste Angebote freie Wahl, um sich die nächsten Tage zu gestalten.Tags darauf stand ein Besuch in Erfurt an. Nach den letzten Instruktionen der Teamer spaltete sich die Menge in mehrere kleine Gruppen. Die Sehenswürdigkeiten der Stadt mussten hinter dem allgemeinen Shoppingwahn etwas zurückstehen – aber stört das jemanden in unserem Alter? Nach einer Weile stellte ich fest, dass ich als einziger Deutscher mit Leuten der israelischen und isländischen Delegation unterwegs war. Meinen Englischkenntnissen tat das sicherlich gut, und ich versuchte mich auf der Reisebank und beim Shampookauf nützlich zu machen. Beim Übersetzen einer Speisekarte stieß ich allerdings mit hochrotem Kopf an meine Grenzen.
Mittwoch. Halbzeit im Camp. An diesem sonnigen Tag machte mein Workshopprogramm am frühen Nachmittag eine Pause, um mich näher mit den Leuten zu unterhalten. So machte sich trotz des allgegenwärtigen Schlafmangels etwas Entspannung bei mir breit. Nachmittags luden die Israelis zur Vorbereitung des morgigen Besuchs im ehemaligen Konzentrationslager Buchenwald ein. Mit Blick auf eine Demonstration der Jungen Nationaldemokraten wenige Wochen zuvor in Tübingen, einer Nachbarstadt meines Wohnorts, wollte ich ein Zeichen setzen und stieg mit ein.
Der folgende Donnerstag war dementsprechend eher von getrübter Stimmung geprägt. In der Gedenkstätte erinnert nun ein neuer Gedenkstein an die ermordeten „Rosa-Winkel“-Häftlinge, die hier zur Zeit der NS-Diktatur ermordet wurden. Dieser Aspekt floss in die diesjährige Zeremonie ein, die die Teilnehmer emotional sehr berührte. Einmal mehr freute mich aber der Gedanke, dass mit der Rückkehr ins Camp auch langsam wieder etwas Freude zurückkehrte. Das Camp war von großer Toleranz geprägt – ich würde sie mit Blick auf die Ereignisse in Mügeln und in Rheinland-Pfalz von Herzen auch den verbleibenden Unbelehrbaren wünschen.Am Freitag und Samstag füllten wieder die Workshops den Tag aus. Zur Gala am Samstagabend wollten einige Gruppen Gesangs- und Tanzperformances präsentieren, eine weitere Gruppe zauberte aus unscheinbaren Holzbrettern sogenannte Schwedenstühle. Leicht klappbare Liegestühle – so macht der Urlaub gleich doppelt Spaß. Nach der Abschiedsgala deutete eine rappelvolle Tanzfläche darauf hin, dass heute so manches Zelt leer bleiben würde.
Die Stunden rannten dahin, und mit den ersten Sonnenstrahlen stand zunächst der Abschied von den meisten ausländischen Gästen an, bis zum frühen Mittag läuteten ein paar letzte Umarmungen das Ende des Camps ein. Schmerzhaft, nach fast acht Tagen mit Jugendlichen aus der ganzen Welt. Freundschaften wurden geschlossen, und auch ich träume schon von einem Gegenbesuch in dem einen oder anderen Land.Alles in allem eine wunderbare Zeit. Das Camp glänzte durch seine Vielfalt, sowohl an Teilnehmern als auch an Programm. Vielmehr erinnere ich mich gern an einen meist blauen Himmel, viele neue Bekanntschaften und lange Nächte am Lagerfeuer, um spannenden Geschichten vom Leben in einem anderen Land zu lauschen. In diesem Sinne: Herzlichen Dank an die Organisatoren und Teamer vom Jugendnetzwerk Lambda.


