Homosexualität und Kirche
..und auch, dass eingetragene homosexuelle Partnerschaften eher eine Stabilisierung der sozialen Gemeinschaft bedeuten könnten, wie ich denke. Wie sehen die Chancen aus, dass sich an der kirchlichen Haltung etwas ändert?
Mit einem neuen Papst könnte auch der jetzige Präfekt der
Glaubenskongregation, Joseph Ratzinger, von seiner Aufgabe entlastet werden und ein anderer Zugang zur Sexualität allgemein im Vatikan Einzug halten.
Wie kommt man also mit dem "Gegensatz schwuler Katholik" klar? Oder muss man da, zum Beispiel was schwules Lieben anbelangt, Kompromisse machen?
Der erste Teil der Frage ist inzwischen wohl beantwortet: Weder von der Bibel noch vom moralischen Denken her ist das Praktizieren einer homosexuellen Orientierung verboten oder verwerflich. Deshalb gibt es diesen Gegensatz für mich nicht. Der zweite Teil der Frage ist interessant. Kompromisse beim Lieben gehe ich selbstverständlich nicht ein. Ist das möglich? Wenn ich jemanden liebe, liebe ich ihn. Das mache ich als Schwuler genauso kompromisslos wie als Hetero, denke ich. Es kann allerdings sein, dass du mit "Lieben" verschiedene Formen von Partnerschaften und sexuellen Kontakten meinst. Ich würde nicht sagen, dass ich hier Kompromisse eingehe, aber ich versuche aufgrund meines Glaubens wirklich zu lieben, und zwar mich selber und meinen jeweiligen Partner. Das bedeutet, ich schau mir sehr genau an, was mir auf Dauer an Partnerschaft und sexuellen Kontakten wirklich gut tut. Und ich versuche, mich davor zu hüten, einem anderen durch mein Handeln langfristig zu schaden. Eine Konsequenz davon ist, dass ich nichts von "offenen Partnerschafen" halte, weil ich glaube, dass die Sexualität ein wichtiger Teil einer Partnerschaft ist, und dieser Teil, wenn er außerhalb auch bedient wird, seinen Wert für die Partnerschaft verliert. Auch häufigen anonymen Sex halte ich für mich nicht für gut, weil ich einen Teil meiner Intimsphäre damit zu vielen Menschen preisgebe, was ihren Wert und den Wert von sexuellen Kontakten meinem Gefühl nach schmälert, ja Sex irgendwann zum Konsumgut werden lässt, das man sich nach Bedarf holt wie die Brötchen am Morgen.
Insgesamt halte ich mich als "schwuler Katholik" also an die Weisung des heiligen Augustinus:(der damals noch nicht Katholik oder Protestant war) "Liebe, und tu, was du willst!"
Vielen Dank für das Interview, Norbert!
Links zu diesem Artikel:
- dbna: Homosexualität und die katholische Kirche.
- Web: Offizielle Homepage des "HuK"
- Web: Dokument "Erwägungen" der katholischen Kirche


