Mörike gegen AIDS
Ein engagiertes Projekt im Kampf gegen das Virus
Anfang August fand in Mexiko City die 17. Welt-AIDS-Konferenz statt. Zentrale Themen waren der Zugang zu Medikamenten für Infizierte in Entwicklungsländern und die Toleranz gegenüber HIV-Positiven und AIDS-Kranken. Aber der Kampf gegen das Virus findet nicht nur auf der anderen Seite der Weltkugel statt. Ein erwähnenswertes Projekt aus Deutschland ist „Mörike gegen AIDS“. Wir haben mit Julian Aschenbrenner, dem Initiator und Projektleiter, gesprochen.
Hallo Julian. Worum ging es denn eigentlich bei „Mörike gegen AIDS“?
Es ging darum, Kinder und Jugendliche schon in der Schule an die Gefahren von HIV und AIDS heranzuführen, Ansteckungs- und Schutzmöglichkeiten aufzuzeigen und die Allgegenwärtigkeit der Krankheit zu verdeutlichen. Außerdem haben wir einen Benefizschulball veranstaltet, dessen Erlös wir an die AIDS-Hilfe Stuttgart spenden konnten, die uns mit Fachexperten beim Präventionsprogramm unterstützte.
Wie kamst du auf die Idee, an deiner Schule etwas gegen AIDS zu unternehmen?
Ich saß mit ein paar Freunden in einer Münchener Bar, als wir zufällig auf das brisante Thema zu sprechen kamen. Ich bemerkte, dass keiner von uns vieren je einen HIV-Test gemacht hatte - und nicht nur wir, sondern auch viele andere Jugendliche befinden sich in einer unsicheren Situation, weil zu wenig Informationen zu diesem Thema vermittelt werden. Ich selbst wurde zwar über Pubertät und Sexualität zumindest mäßig aufgeklärt, aber das Thema AIDS wurde weder in der Schule, noch zu Hause oder im Freundeskreis angesprochen. Also habe ich es mir zum Ziel gesetzt, Kinder und Jugendliche zu informieren. Und wo könnte ich das besser, als dort, wo ich sie jeden Tag treffe - in der Schule?
Hast du dir auch mal einen blöden Spruch anhören müssen? Leider ist Intoleranz gegenüber Homosexuellen und gegenüber AIDS-Kranken ja noch ein großes Thema.
Ich organisiere dieses Projekt ja nicht aus der eigenen Betroffenheit heraus, deshalb kann ich nicht beurteilen, wie sehr HIV- Positive im Alltag wegen ihrer Krankheit diskriminiert werden. Selbstverständlich trägt dieser „Aids-Tag“ auch zur Verständigung und Toleranz bei, zumal auch betroffene HIV-Positive zu Gesprächen mit Schülerinnen und Schülern bereitstanden, darunter auch homosexuelle Männer. Von meinen Mitschülern habe ich auf diese Personen ausschließlich positives Feedback bekommen, woraus ich schließe, dass wir eine sehr tolerante Schule sind.Am 6. Juni fand dann bei euch an der Schule der AIDS-Tag statt: morgens ging es um Prävention, abends stand dann der Benefizball an. Wie war das denn so?
Also, erstens war es stressig. Wir haben uns über sieben Monate lang auf einen Tag vorbereitet und meine Gedanken schienen sich vor allem in den letzten Wochen nur noch auf diesen einen Tag zu fixieren. Es sollte ja nichts schief gehen. Es war ein unbeschreibliches Gefühl, um 8 Uhr dann vor allen Schülerinnen und Schülern zu stehen und eine Eröffnungsrede zu halten. Ich wollte das ganze ein bisschen „happening-artig“ aufziehen, niemand sollte diesen Tag je wieder vergessen. Und ich glaube, das ist auch gelungen. Von 8 bis 14 Uhr gab es in der Schule für jede Klasse ein individuelles Präventionsprogramm, gestützt durch Filme, Spiele, Referate und Fachexperten. Ab 19 Uhr fand in einer öffentlichen Halle der große Benefizschulball statt. Es kamen so viele Gäste, dass wir zusätzliche Tische aufstellen mussten. Alles in allem ein Riesen-Erfolg!
Seitdem sind einige Wochen vergangen. Wie beurteilst du das Projekt rückblickend?
Würde ich super gerne alles nochmal machen! Leider findet sich nicht so einfach wieder ein Thema, das wirklich jeden Schüler und jede Schülerin persönlich betrifft. Nur deshalb waren alle 800 Schüler meiner Schule voller Enthusiasmus dabei und haben das Projekt mitgetragen. Ich kann mir jetzt sicher sein, dass sich meine Mitschüler über HIV und AIDS ausreichend aufgeklärt fühlen und dass sie zu Multiplikatoren werden, sprich, dass sie mit Freunden darüber sprechen und die Informationen weitergeben. Wir haben einen Film zusammengeschnitten und ihn am vorletzten Schultag vor der ganzen Schule vorgeführt. „Da sind alle mit strahlenden Gesichtern rausgegangen“, sagte mir eine Lehrerin danach. Insgesamt habe ich nur positives Feedback auf die Aktion bekommen. Ich kann nur jeden dazu ermuntern, so etwas an seiner Schule durchzuziehen. Selbstverständlich würde ich dabei gerne helfen, so gut ich kann.Hat sich für dich ganz konkret etwas verändert seit dem AIDS-Tag?
Wir haben damit gezeigt, was an einer Schule alles möglich ist. „Mörike gegen AIDS“ wurde nur von Schülerinnen und Schülern organisiert. Ich habe sehr viele Kontakte nutzen und knüpfen können. Sehr begeistert zeigten sich zum Beispiel der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, der ein Grußwort für unsere Broschüre schrieb, und der erste stellvertretende Landtagspräsident von Baden-Württemberg, Wolfang Drexler, mit dem ich nach der Spendenscheckübergabe ins Gespräch kam. Auch beim SWR-Fernsehen und bei den Zeitungen rannten wir offene Türen ein, alle wollten über unser Projekt berichten.
Ganz lieben Dank für das Gespräch, Julian. Wir von dbna wünschen dir bei eventuellen weiteren Projekten alles Gute.


