Man nehme: Das Superstar-Rezept
Thomas Godoj gewinnt die fünfte Staffel von Deutschland sucht den Superstar
Es ist vorbei (bye, bye, Junimond). Gestern präsentierte RTL das große Finale der fünften Staffel des Erfolgskonzeptes
"Deutschland sucht den Superstar". Ein vorerst letztes Mal führte Marco
Schreyl gewohnt unsympathisch durch den Abend, ein letztes Mal nahmen
Dieter (im schlichten Silberanzug), Bär (heißt der eigentlich echt so?)
und Anja Lukaseder hinter dem Jury-Tresen Platz.Es war der Zeitpunkt gekommen, an dem Deutschland sich entscheiden musste zwischen Thomas Godoj und Fady Maalouf. Nur einer der beiden kann nach RTL-Logik Superstar werden - nämlich derjenige mit den meisten Anrufen und folglich derjenige, der mit Dieter Bohlen ein Album produzieren darf. Und schließlich erinnern wir uns alle an die Gewinner der vergangenen Staffeln.
Alexander Klaws, der erste deutsche Superstar - an Peinlichkeit kaum zu überbieten. Dann kam Elli, die Rock-Lesbe - hat die eigentlich auch 'ne Platte rausgebracht? Sieger Nummer 3 war Tobias Regner - ich glaube, der hatte sogar eine Single, die ab und zu im Radio kam und bei der man nicht sofort wild Knöpfe drückte und Regler verstellte, bloß um den Lärm abzustellen. Absoluter Niveau-Tiefpunkt war dann unbestritten der Superstar aus Staffel Nummer Vier, der hesselnde Grinsekater Mark Medlock, der den Dieter so sehr "zum Abspritze geil" fand, dass er gleich eine Art Duett mit ihm aufnahm.
In diese Liste von Erfolgsgeschichten wollten sich also nun Fady und Thomas einreihen. Dabei hatte jeder sein ganz eigenes Konzept. Thomas, der stets etwas ungewaschen wirkte, wollte als Rauhbein auftreten, trug abgewetze Lederjacken und sang auch mit diesem gewissen Etwas - "vor dem Auftritt kurz einmal abhusten" wollte man ihm via Fernsehbildschirm entgegenschleudern. Fady dagegen beeindruckte durch schneeweißes Beißwerkzeug und säuselnden Charme.
Diese beiden Charaktere prallten also im Finale aufeinander, sangen gemeinsam den Sinatra-Klassiker "My way". Während Thomas oft nicht genau wusste, wann er singen musste und wann nicht, und beim Gang durchs Publikum befremdete Fady-Anhänger umarmte und herzte, überzeugte Fady mit stimmlicher Qualität und rhythmischer Sicherheit. Für den objektiven Beobachter war an dieser Stelle klar, wer es verdient hatte, die Sendung zu gewinnen. Allerdings, vielleicht ist es unter Karrieregesichtspunkten geschickter, "nur" Zweiter zu werden. Das Fernsehpublikum hat den Vizesieger genau so oft gesehen und gehört wie den Superstar, allerdings dreht sich um ihn im Anschluss an die Sendung nicht sofort die Werbe- und Vermarktungsmaschinerie.
Künstler will RTL hier suchen - aber Kunst braucht Zeit und kann nicht marktstrategisch getimet werden. Die neue Single von Thomas kommt am Freitag auf den Markt. "Love is you" wird sie heißen. Und das Album wird auch nicht lange auf sich warten lassen. Sicher hat der Modern Talker Dieter Bohlen schon den Musikkomponierautomaten angeworfen und mit ein paar Akkorden gefüttert. Fady jedoch steht etwas zurück im Medienhype, kann sich ein wenig mehr Zeit zum Durchatmen leisten. Wenn er es schafft, ein paar gute Leute um sich zu arrangieren, dann wird Deutschland sicher auch bald wieder von ihm hören. Und wer sich dann auf längere Zeit an der Spitze der Charts halten kann, wird sich zeigen.
Merke: Ein Superstar wird man nicht dadurch, dass möglichst viele Leute
eine Telefonnummer wählen. Um sich mit wahren Superstars wie Elton
John, Kylie Minogue oder Madonna zu messen, dazu gehört schon eine
Portion mehr. Ach ja, eins noch: So wie ich RTL einschätze, beginnen in
14 Tagen wieder lustige Castings in deutschen Großstädten. Du kannst
unter der Dusche singen, ohne dass sich deine Rückenbürste das Leben
nimmt? Dann nix wie hin. Und vielleicht wirst du dann 2009 Deutschlands
neuer Superstar.

