Kaspar (25) erzählt:

Sein Niedergang

Wir waren noch jung und, sozusagen, unschuldig...

Wir waren noch jung und, sozusagen, unschuldig. Doch konnten wir unsere Gefühle mit Sicherheit bereits so einordnen, als dass wir sie als schwul erkannten.

Daniel und ich, Kaspar, waren seinerzeit gerade 14 Jahre alt und gute Freunde. Wir haben viel zusammen in unserem kleinen Dorf unternommen - vorwiegend in den  alten Scheunen voller Stroh und Heu. Wir rangelten auch oft, und die daraus resultieren Berührungen waren für mich ein steter Genuss. Meist versuchte ich auch unsere „Kämpfe“ so zu steuern, dass diese Berührungen lang und intensiv ausfielen.

Der "Durchbruch" kam bei einer Klassenfahrt ins Schullandheim. Zwar belegten wir ein Zimmer mit insgesamt sechs Schülern, doch unsere beiden Betten waren im Oberen Teil der Hochbetten und Kopfende an Kopfende ausgerichtet. Wenn Schlafenszeit angesagt war und die Dunkelheit die Regie übernahm, streckten wir uns unsere Arme durch den Bettrahmen entgegen und streichelten uns am Oberarm und am Kopf. Keiner der anderen bekam überhaupt was mit. So freute ich mich tagtäglich auf den Abend, um wieder im Bett Zärtlichkeiten mit ihm austauschen zu dürfen. Schon verrückt, was?

Ein Monat später, im Frühsommer, tollten wir in einer Scheune und bauten uns mit den Strohballen eine Butze. Sie entpuppte sich als wahres Liebesnest. Denn als wir mal wieder eine Art Schmuseringkampf darin abhielten, wandelte sich dieser in eine wahre Kuschelorgie. Wir begannen uns gegenseitig zu entkleiden und schmiegten dann unsere nackten Körper aneinander und ich war derart erregiert wie niemals zuvor. So weiteten sich die Berührungen auch auf die Genitalien aus und wir befriedigten uns gegenseitig. Es war ein wahnsinniges Erlebnis und in meinem Schädel explodierte ein überdimensionales Feuerwerk.

Leider blieb es bei diesem einen Mal. Unsere Freundschaft war weiterhin innig, aber eben ohne Sex. Nach der Schule begann ich eine Lehre als Elektriker und Daniel als Maler. So verloren wir uns aus den Augen.

Auf einem Dorffest begegnete ich ihm dann irgendwann wieder. Meine anfängliche Freude wich sehr schnell, als ich realisierte, wie runtergekommen er war. Er war völlig aufgedunsen und sah sehr ungepflegt aus. Er sprach fast nur im Gossenjargon und war sternhagelvoll. Eine Befragung seiner Bekannten ergab, dass er sich fast jeden Tag volllaufen ließ. Schade Daniel, solch eine Veränderung hätte ich im Leben nicht erwartet!
Wir haben uns danach nicht mehr wieder gesehen.



Bilder: photocase.com
Die hier dargestellten Fotos zeigen nicht den Einsender der Geschichte.