Nils (21) erzählt:
Umzug mit Überraschung
Tilo würde ich wirklich vermissen...
Ich war 15, als mein Eltern mir und meinen Geschwistern verkündeten, dass wir
nach Hessen umziehen würden. Bisher hatten wir in Schleswig-Holstein gewohnt und
unsere gesamte Familie war hier zu Hause. Der Grund für den Umzug war, dass die
Firma, in der mein Vater zu der Zeit arbeitete, dorthin verlagert werden
sollte.Ich hatte viel darüber nachgedacht und fand die Entscheidung gar nicht so schlecht. Ich hatte mein Coming Out schon für mich selbst und ein paar ausgewählte Freunde, nicht aber für Familie oder gar Leute aus der Schule. Daher glaubte ich, dass die neue Umgebung mir vielleicht helfen könnte, mich auch dort zu outen.
Der Einzige, den ich wirklich vermissen würde, wäre mein damaliger bester Freund Tilo. Er war einer der wenigen Leute die mein "Geheimnis" teilten. Wir hatten einmal 2 nette Mädels im Chat kennengelernt und trafen uns mit den beiden in einer Kneipe. Wir verstanden uns auf Anhieb gut und ich sah damals die Gelegenheit, dass die beiden, aus welchen Grund auch immer, mir helfen konnten, Tilo zu sagen dass ich schwul bin. Ich stand schon lange wahnsinnig auf ihn, hatte ihn schon einige Male nur in Boxershorts oder gar ganz nackt gesehen und träumte jede Nacht davon, in seinen Armen zu liegen. Im Endeffekt habe ich es dann aber auf dem Nachhauseweg selbst getan. Wir mussten laufen, da meine Mutter uns zu so später Stunde nicht mehr abholen wollte.
Ich nahm meinen ganzen Mut zusammen und sagte es ihm. Er reagierte ganz gelassen, fand es nicht schlimm. Sein einziger, aussagekräftiger Kommentar war "Solange du mir nicht 'zu Nahe' kommst, geht das für mich okay". Er sagte dass mit einem Lächeln und gemeint war natürlich "solange ich nicht direkt mit ihm ins Bett" möchte. Es ging alles weiter wie bisher, unsere Freundschaft nahm keinen Schaden. Es veränderte sich sogar eher positiv. Wenn ich mal für ein Wochenende bei ihm war, machte er alberne Sachen, er strippte vor mir, aber die Boxershorts blieb an. Ich war froh, dass er damit so locker umging.
Und nun sollten wir also umziehen. Ich sagte ihm am nächsten Tag in der Schule Bescheid. Er war mindestens genauso traurig wie ich, natürlich nur, weil wir eigentlich ständig irgendwas unternommen haben und absolut beste Freunde waren.
1 Woche vor dem Umzug sagten meine Eltern dann sie würden schon
vorfahren wollen um im neuen Haus schon das Nötigste zu erledigen, wie
z.B.Tapezieren, Streichen, etc. Sie wollten meine Geschwister mitnehmen und
fragten mich, ob ich mitkommen wolle, bei Oma bleiben möchte oder einfach 1
Woche das alte Haus hüten will. Ich entschied mich natürlich für eine Woche
sturmfrei. Meine Mutter hatte das wohl erwartet, ließ mir etwas Geld da und
sagte nur, ich solle alles ordentlich hinterlassen und Oma würde 1-2 Mal nach
dem Rechten sehen.Mit den guten Neuigkeiten rief Ich Tilo an, der daraufhin sofort mit seinen Eltern klärte, dass er die gesamte Woche bei mir übernachtet. Er sagte sogar, er hätte schon ein Abschiedsgeschenk für mich.
Wir hatten die Woche viel Spaß und haben einigen Mist gemacht. Wir haben beide sturzbetrunken Zeichentrick geschaut und uns
vor Lachen nicht mehr halten konnten. An einem Tag kam ein andere guter Freund, Björn, vorbei, der auch einen Tag bleiben wollte. Ich suchte also abends in meinem Schlafzimmer Bettsachen für eine weitere Person zusammen, als Tilo auf einmal in der Tür stand.



