David (19) erzählt:
Der Junge aus der Parallelklasse
Erst können sie sich nicht ausstehen, aber dann funkt es
Tja, wie soll man da anfangen? Ich war gerade erst 17 und in der elften Klasse. Dass ich schwul bin, war mir schon lange bewusst, aber ausleben und outen - wie und wann? Sicherlich gab ich mir keine große Mühe es zu verheimlichen. Ich kokettierte gerne mit diversen Andeutungen dass ich nicht so wie die anderen sei, wurde aber nie konkret. Ich ergriff sehr oft Partei für Minderheiten, insbesondere natürlich für Lesben und Schwule. Ich sehe recht gut aus und bin bei den Mädels der Klasse recht beliebt und umworben, obwohl ich meinerseits ihnen kein Interesse entgegenbringe.
In einer Parallelklasse gab es einen Schüler, der zwar meine Aufmerksamkeit erregte, aber ich hätte mich eher sonst wo hin gebissen als ihn anzusprechen. Dafür war ich Großmaul wiederum zu schüchtern. Und so blieb mir nichts anderes übrig als zu darben, jedes Mal wenn ich ihn sah. Ich kannte ihn noch nicht einmal persönlich und wusste auch nicht, wie er heißt.
Ich wusste auch wirklich nicht, wie ich es anstellen sollte mal näher an ihn ran zu kommen. Glücklicherweise ergab es sich, dass unser Sportlehrer erkrankte und unser Sportunterricht mit dem der besagten Parallelklasse zusammengelegt wurde. „Ach du Scheiße!“ Total nervös und hibbelig quälte ich mich durch den Sportunterricht und wollte Daniel (jetzt kannte ich also auch seinen Namen) am liebsten mit meinen Blicken aufsaugen. Blickkontakt versuchte ich zu vermeiden, wollte doch nicht so direkt auffallen. Und so schaute ich immer schnell weg, wenn er in meine Richtung blickte. Aufgefallen ist mir allerdings seine seltsame Art. Kokettierte er doch damit, nicht ganz so zu sein wie die anderen und machte hin und wieder schwule Andeutungen. Partei ergriff er auch noch für die. Das kenn ich doch von irgendwo her, will der mich verarschen oder was?
So kam es wie es kommen musste. In der nächsten Sportstunde kamen wir beide in ein Team, verstanden uns aber alles andere als gut. Wir keiften und blafften uns ständig an, mochte ich doch seine Art überhaupt nicht. Komisch, war ich doch ihm diesbezüglich absolut gleich.
Was wir nicht merkten, dem Sportlehrer ging unser Gehabe restlos auf die Eier und verdonnerte uns nach Unterrichtsschluss zum Aufräumen. Das fehlte mir auch noch, mit dem Arsch alleine. Meine Bewunderung für Daniel war bereits gegen Null gesunken. Und was kam dabei raus, wir stritten uns heftig, so dass wir uns fasst geprügelt hätten. Der Lehrer kam dann auch noch dazu und brummte uns eine Strafarbeit auf: „Eine Abhandlung zum Thema: Miteinander“. Schönen Dank auch!
Nächster Tag, wieder Sport, super! Und wieso kriegen meine Klassenkameraden in der Turnhalle ihr dämliches Grinsen nicht aus ihrer Fresse? Und wieso musste ich wieder mit Daniel aufräumen? Haben uns doch diesmal benommen. Aber der Pauker hatte sich auf uns eingeschossen. Ich dann danach ab in die Dusche - und wer kommt hinterher gelatscht? Daniel! Au Scheiße, sieht der geil aus! Hassen oder mögen? Was soll ich machen? Wenn der doch nur nicht so’n Scheiß-Charakter hätte. Aber wie aberwitzig, irgendwie war er doch so wie ich. War es vielleicht das, was mich so gegen ihn aufbrachte?
„Daniel“, sagte er. „Was ist?“ Ich schaute ihn an. „Ich heiße Daniel.“ Ich antwortete: „Weiß ich. Bin David.“ Er lächelte: „Weiß ich auch.“ Dann duschten wir erstmal. Habe das Wasser immer kälter gestellt, um zu verhindern, dass ich eine Latte bekam. David und Daniel, zwei biblische Namen, Zufall oder Schicksal?
„Wollen wir unsere Strafarbeit zusammen machen?“ fragte Daniel, „würde doch viel schneller gehen.“ Ich konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen: „Kklar doch, warum nicht? Wenn wir es ohne uns zu zoffen hinkriegen.“ Daniel meinte: „Also nach der Penne bei mir, gegen 16:00 Uhr?“ Ich willigte ein und war dann bis dahin wieder total aufgeregt. Mein Groll gegenüber Daniel hatte sich gänzlich gelegt.
Dort angekommen machten wir uns in seinem Zimmer auch gleich ans Werk und kamen gut voran. Lockere Sprüche begleiteten unser Tun und wir waren heil froh, bald etwas Brauchbares auf die Beine gestellt zu haben.
„Na also“, sagte ich, „hat doch super hingehauen“ Daniel stupste mich leicht in die Seite: „Und ohne Knatsch!“ Ich grinste: „Hey, Vorsicht, lange nicht mit einem Bären gerungen, was?“ Ich, Spargeltarzan, und Daniel war auch kaum kräftiger.
Wir begannen zu rangeln, aber irgendwie wollte keiner den anderen niederzwingen. Wir hörten langsam auf, bis wir uns nur noch an den Armen hielten und uns ansahen. Total irre, er hatte ein braunes und ein blaues Auge. Ich war noch ganz in Gedanken versunken, als ich wahrnahm, wie er mich langsam zu sich zog. Wir standen ganz dicht beieinander, als er zu einem Kuss ansetzte. Ich wusste nicht zu reagieren. Zulassen, zurückweichen, was soll ich tun?
Zu pät, seine Lippen berührten bereits meine und ich begann doch tatsächlich den Kuss zu erwidern. Welche Süße! Wahnsinn! Wir wollten gar nicht mehr aufhören. Dennoch ließ er dann langsam von mir ab: „Kann mein Zimmer nicht abschließen, meine Eltern sind da und die platzen gerne mal ab und zu rein. Die wissen zwar um mich, mag aber doch lieber ungestört sein.“ Ich fragte: „Du bist geoutet? Wer weiß noch bescheid?“ „Meine engsten Kumpel, eine Freundin, meine Schwester, alles andere ergibt sich.“ „Irre, soweit möchte ich auch gern sein, zumindest scheint meine Klasse bescheid zu wissen, ohne dass ich es offiziell eingestanden habe.“ Wir unterhielten uns noch etwas und bevor ich heimging gab’s noch so einen Hammerkuss und wir verabredeten uns für den kommenden Samstag bei mir. Dass ich da sturmfrei hatte, band ich ihm aber nicht auf die Nase.
Flugzeuge im Bauch oder doch nur Gelaber? Niemals, jetzt glaub auch ich daran. Mann, war ich verliebt! Völlig hin und weg. „Ich sehe wohl nicht richtig“, sagte mein Freund Johnny in der Schule, „sind da etwa lauter Herzchen, die um deine Birne kreisen?“ „Arsch“, sagte ich, aber in netter Form. Konnte es kaum bis Samstag abwarten. Und endlich, endlich, endlich war es dann soweit.
Wir verstanden uns allerbestens, nach kurzem Small-Talk durfte ich mich wieder an seinen Küssen laben. Ich ergriff diesmal die Initiative und glitt mit der Hand unter sein Shirt. Was für eine Haut, was für ein Gefühl! Geschickt hatte ich es ihm ausgezogen. „Hast du abgeschlossen?“ fragte er etwas besorgt. Ich grinste: „Nö. Keiner da.“ Ehe ich mich versah, stand ich nur noch in Boxershorts vor ihm. Wie hat er das nur gemacht? Ich hatte kaum was davon mitbekommen.
Natürlich revanchierte ich mich und zog ihn auch aus. Dann lagen wir auf meinem großen Bett und erkundeten uns gegenseitig, so dass ich bald wahnsinnig wurde. Es war einfach oberaffengeil! Wir hatten sehr ähnliche Körper, dünn mit zarten Muskelansätzen und einer Haut wie Seide.
Ich baute mit meiner Shorts ein Riesenzelt und er lag auch da mit einer fetten Beule im Slip. Soll ich oder soll ich nicht? Kaum hob ich den Bund seines Slips an, schnellte auch schon sein überpraller Penis vor wie eine Schlange bereit zum Biss. Ich zog ihn ganz aus und er dann mich. Es war einfach unbeschreiblich. Er war sehr vorsichtig, war es doch mein erstes Mal, und es war wunderschön. Oh Mann, es sollte doch bitte niemals aufhören.
„Haben eigentlich alle supergeilen Typen wie du so irre Augen?“ fragte ich. „David Bowie zum Beispiel. Aber es gibt einen David, der ist noch viel geiler!“ Und wieder versanken wir in uns und waren trunken vor Liebe (igitt, wie kitschig).
Das Abi ist längst geschafft, ich bin geoutet, und ich liebe Daniel immer noch - warum auch nicht? Wir sind seitdem ein Paar, auch für die Öffentlichkeit. Und das schönste ist, es gibt so gut wie keine negativen Feedbacks.
PS. Gruß an Daniel, knuuuuuuutsch!
PPS: Ermutigt zum Schreiben haben mich alle, die sich hier bereits mit ihren ganz persönlichen Geschichten verewigt haben – danke!
Die hier dargestellten Fotos zeigen nicht den Einsender der Story!


