Florian (17) erzählt:
Sowas wie Liebe
Florian lernt, wie sich Liebe anfühlt
Eigentlich wollte ich schon immer über jemanden Schreiben, der mir sehr wichtig ist. Warum habe ich das nicht früher schon getan? Ich weiß es nicht. Vielleicht, weil ich bisher in meinem Leben noch nicht wusste, was Liebe überhaupt ist. Ist Liebe nur ein elektromagnetischer Impuls, der durch unsere Adern fließt und darauf wartet, entdeckt zu werden? Oder ist Liebe mehr? Ich dachte immer, Liebe sei nur eine dumme Illusion für Menschen, die nicht alleine sein wollen in ihrem Leben. Man könnte Liebe auch "funktionelle Stütze" nennen.
Heute weiß ich, wie sich Liebe anfühlt. Sie hat die Macht, jemanden zu umhüllen, jemandem zum glücklichsten Menschen der Welt zu machen. Doch sie kann auch schmerzhaft sein, ungerecht. Sie kann Auslöser von Sehnsüchten und Weinkrämpfen sein, vor allem kann sie jemanden aber auch dazu bringen, sich in den Tod zu stürzen.
Berührungen
Im November letzten Jahres fühlte ich mich leer. Es war ein Gefühl, als würde jemand unaufhörlich mit kleinen Messerstichen mein Herz durchbohren. Ursache für dieses Gefühl war die Trennung von meiner ersten großen Liebe. Zumindest dachte ich lange Zeit, dass es die große Liebe gewesen sei. Heute, fast ein Jahr später, weiß ich, dass ich falsch lag.
Als er mir schlecht ging, als mich ein bisschen der Lebensmut verlassen hatte, war ER für mich da gewesen. Er nahm mich in seinem Herzen auf, versuchte die Wunden zu reinigen. Lachen war wieder das, was es einmal war. Jemanden glücklich machen. Er brachte mir mein Lächeln auf meine Lippen zurück.An einem Abend lagen wir zusammen im Bett, starrten aus dem Fenster hinaus und verirrten uns im leuchtenden Abendhimmel. Sterne können einem mehr schenken als nur Licht. Immer noch spüre ich seine wärmenden Hände, die zart über meinen Rücken laufen als wäre es Seide, die er streicheln würde. Leise flüsterte er mir "Ich liebe dich" ins Ohr.
Seine Liebe erfasste mich und erfüllte mich mit ihrer Kraft. Wir gingen durch schwere Zeiten. Oft verletzte ich ihn mit Worten, manchmal auch mit Taten. Ich ignorierte ihn, wollte versuchen, ihn von mir los zu bekommen. Doch er ging nicht, hielt zu mir und schenkte mir weiterhin seine Liebe, die ich bis heute von ihm erfahre. In dem damaligen Glauben gehüllt, ich sei vollkommen, weiß ich heute, dass ich es bei weitem nicht war. Ich bat ihn damals um Zeit, die er mir bereitwillig gab.
Sowas wie Liebe
Der 12. Dezember 2006 ist ein Tag, den ich in meinem Leben nie wieder vergessen werde. Traurig und müde kam ich von der Arbeit, setzte mich in den Zug nach Hause. Auf einmal bekam ich einen Anruf von ihm. Kalt und herzlos sagte er mir, er könne nicht mehr, wolle nicht mehr so weiter machen. Er mache Schluss. "Ich liebe dich immer noch", hauchte er in den Hörer, bevor er auflegte. Da waren sie wieder, diese Schnitte in meinem Herzen. Ich stieg aus und lief die Straße entlang, nach Hause. Der Weg wollte nicht enden, war würde mich nur am Ende erwarten?
In diesem Moment rief jemand von hinten: "Schatz". Ich drehte mich um und erblickte ihn. Ein großes Gefühl der Erleichterung machte sich in mir breit. Er kam zu mir, nahm mich in den Arm, schaute mir in die verheulten Augen und sagte: "Ich kann dich nicht verlassen. Ich habe dir doch etwas versprochen, weißt du nicht mehr?" Heulend presste ich meine Lippen auf seine. Ein Kuss voller Emotionen und voller Liebe. Wir sind bis heute zusammen.


