Chemie der Liebe

Liebe - alles nur Chemie?

Liebe ist eine Herzensangelegenheit. Herzklopfen. Herzschmerz. Das Herz ist das Symbol für die Liebe. Klare Sache. Aber Liebe ist auch eine Bauchsache. Schmetterlinge im Bauch. Bauchgefühl. Tja, ist jetzt das Herz das Liebeszentrum oder der Bauch? Die Wissenschaft hat festgestellt: Es ist das Gehirn.

Wer hätte das gedacht? Das Gehirn ist unser größtes Sexualorgan. Es wiegt durchschnittlich 3 Pfund und ist mit einem Netzwerk von 100 Milliarden Nervenzellen ausgestattet. Und es ist maßgeblich für die Hormonausschüttung verantwortlich, welche unser Sexualverhalten bestimmen. So vermutet die Wissenschaft beispielsweise, dass das wohl wichtigste Liebeshormon Oxytocin steuert, ob wir unserem Partner treu sind oder nicht. Man untersuchte Prärie- und Bergwühlmäuse und erkannte, dass die freiheitsliebenden Mäuse aus den Bergen wenig Oxytocin ausschütteten, während die häuslichen Präriewühlmäuse einen hohen Oxytocin-Spiegel aufwiesen.

Du bist also in der Disco, schwingst deine Hüften zu Gloria Gaynor und Madonna und entdeckst plötzlich wenige Meter vor dir einen schnuckeligen Typen. Innerhalb von Sekunden spielen sich nun zahllose Reaktionen in dir ab, die darüber entscheiden, ob du dein Gegenüber schön oder hässlich, süß oder langweilig, nett oder unsympathisch findest.

Stellt sich heraus, dass du diesen dunkelhaarigen Don Juan tatsächlich sexy findest, arbeitet dein Gehirn auf Hochtouren. Ein Cocktail chemischer Botenstoffe wird freigesetzt. Auch das oben erwähnte Oxytocin findet seinen Weg in deine Blutbahnen. Es sorgt unter anderem dafür, dass das Immunsystem aktiver und effizienter arbeitet. So kommt es, dass frisch Verliebte fast nie krank werden. Auch Rauschmittel wie Dopamin und Endorphine werden ausgeschüttet. Du fühlst dich gut, richtig gut, beinahe euphorisch. Dein Schlafbedürfnis vermindert sich, genauso wie dein Appetit. Du meinst, du könntest nur von Luft und Liebe leben. Aber Vorsicht: Die Chemie ist auch dafür verantwortlich, dass wir uns in Sachen Liebe manchmal wie Idioten verhalten. Unter anderem ein gesunkener Serotoninspiegel ist zuständig dafür, dass wir unseren eigenen kleinen Rausch erleben. Hemmschwellen werden abgebaut und man verhält sich irrational.

Dieses Gefühl hält nicht ewig, genauso wenig wie das Verliebtsein. Spätestens nach einem Jahr fährt der Körper die Hochproduktion der Hormone langsam zurück. Der Serotoninspiegel normalisiert sich wieder. Der Blick durch die “rosarote Brille” weicht einer klaren Betrachtung. Schade? Dies ist der Punkt, an dem sich zeigt, ob die Partnerschaft mehr ist als nur ein Produkt der Körperchemie. Erst unter der Voraussetzung eines normalen Hormonhaushaltes können sich die Partner rational betrachten und herausfinden, wer und wie sie wirklich sind.



wissenschaft.de, prosieben.de

Suche (powered by Google):