Das Spiel mit der Faust
Reine Vertrauens- und Kopfsache
Beim Geschlechtsakt spielt Enge immer eine gewisse Rolle. Beim ersten Mal denken nicht wenige: „Mann, ist der groß. Wie soll der da rein passen!?“ Und überraschenderweise geht es dann doch oft problemlos. Das gilt sowohl für analen als auch vaginalen Sex. Ähnlich verhält es sich beim Fisten.
Ganz einfach gesagt handelt es sich beim Fisten um eine Sexvariante, bei der die anale oder vaginale Befriedigung des Partners mit der gesamten Hand bzw. Faust oder auch dem gesamten Unterarm das Prinzip ist. Die bildliche Vorstellung davon mag für denjenigen, der sich damit nicht auskennt, unangenehm, wenn nicht gar schmerzhaft sein. Es handelt sich aber erstmal um keine sado-masochistische Praktik, wobei extremes Fisten auch in diesem Bereich vorkommt.
Wichtig ist beim Fisten nicht nur absolutes Vertrauen zum Partner, sondern auch, dass man sich einfach gehen lässt. Wer viel überlegt, verkrampft - und das führt dann zu wirklichen Schmerzen wie beim „normalen“ Sex eben auch. Natürlich kommt der Partner auch nicht von heute auf morgen komplett mit der gesamten Hand hinein. Es braucht mehrere Monate Training, bis die komplette Hand durch den Schließmuskel bzw. in die Vagina hineinpasst. Im weiteren Verlauf soll vor allem ein Blick auf das anale Fisten geworfen werden.
Bedenken gibt es häufig nicht nur in Sachen Schmerzen, sondern auch wegen da
mit eventuell verbundener Verletzungen. Der Körper ist absolut anpassungsfähig und generell kann gesagt werden, dass das Verletzungsrisiko gering ist, wenn die Fingernägel ordentlich geschnitten und gefeilt wurden, genügend Gleitcreme verwendet und auch nur die Hand und nicht der gesamte Unterarm benutzt wird. Benutzt man den Arm, so braucht es dafür auf beiden Seiten viel Erfahrung, damit das Verletzungsrisiko nicht zusätzlich erhöht wird. Allerdings muss man sagen, dass - während erfahrene Gefistete sagen, man würde nicht ausleihern und es gäbe keine Gefahr der Stuhlinkontinenz - es bisher keine Studie gibt, die diese Form von Spätschäden ausschließt.
Das Infektionsriskio beim Fisten mit dem HI-Virus ist relativ gering, kann aber nicht ausgeschlossen werden. Von daher sollte der aktive Partner zur Sicherheit einen Latexhandschuh tragen. Auch schützt diese Maßnahme einen HIV-positiven mit weniger als 200 Helferzellen pro Milliliter Blut vor Krankheitserregern. Besonders besteht ansonsten eine Infektionsgefahr mit dem Hepatitis-C-Virus und analen Warzen.
Auch ist Fisten keine Sache von fünf Minuten. Man muss sich gemeinsam Zeit und Geduld dafür nehmen. Auch die oben genannte Fingerpflege benötigt Zeit. Ist es dann soweit, benötigt man als Aktiver viel Einfühlungsvermögen. Man muss auf die Reaktionen des Partners achten. Der Passive fühlt jeden Millimeter an Bewegung mit der Hand wie einen Zentimeter. Nach dem Eindringen sollte der Fister einige Momente verweilen, damit sich der Bottom (Passive) auch daran gewöhnt. Anschließend sollte man mit langsamen und vorsichtigen Bewegungen beginnen. Wichtig ist auch, dass der Top (Aktive) immer die Kontrolle über sich behält. Der Gefistete wird aber keinen klaren Kopf behalten können.
Sollte es doch zu Verletzungen, d.h. zu Blutungen kommen, gilt es sofort aufzuhören und bei starken Blutungen sofort den Arzt aufzusuchen, denn das gehört nicht dazu. Auch ist es wichtig, dem Arzt gegenüber ehrlich zu sein und keine Lügengeschichten zu erzählen, ansonsten kann es nämlich zu einer falschen Behandlung kommen, die dann gegebenenfalls schwerwiegende Folgen haben kann.
Während der Bottom natürlich durch das Fisten sexuell stimuliert wird, stellt sich die Frage, worin der Reiz für den Aktiven liegt. Für diesen spielt sich die Lust nicht auf der körperlichen Ebene, sondern auf der geistigen Ebene ab. Der Passive schenkt dem Fister absolutes Vertrauen, unterwirft sich quasi und der Fister kann eine ziemliche Dominanz ausüben und bestimmt Tempo, Kraft und Tiefe. Für beide Beteiligten ist am Ende das Vertrauen und das Wissen über die eigenen Grenzen sowie das Einhalten dieser absolut entscheidend.
Wer sich an diese Spielart des Sex heranwagen will, der sollte nicht nur den geeigneten einfühlsamen Partner haben, sondern sollte sich auch langsam herantasten und versuchen den Schließmuskel mit Fingern und Dildos immer weiter zu dehnen. Nur so kann auch sichergestellt werden, dass die Schmerzgefahr niedrig bleibt und das Erlebnis nicht zum Horror ausartet.


